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    Bibliothek des Jahres 2001  
   

Festakt anläßlich der Verleihung des Titels
"Bibliothek des Jahres 2001" am 5.12.2001

Danksagung durch Walter Schulz, Vorstand der Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek

Walter Schulz

Sehr geehrter Herr Staatsekretär, Herr Dr. Geißelmann, Herr Dr. von Kalnein, meine Damen und Herren, liebe Kollegen

Ich danke vielmals und herzlich für die vielen guten Worte, die Sie gefunden haben, um uns zu grüßen und zu würdigen.

Orientiert man sich, was denn zur Kultur der Preise und Preisverleihungen Bedeutsames gedacht und gesagt worden ist, stößt man auch auf Enzensberger. Dieser hat vor einigen Jahren mit spitzer Feder seinen Spott und sein Lamento über die Inflation der Preise zu Papier gebracht; dergleichen möchte ihm erspart bleiben. So zutreffend einzelne Feststellungen auch sein mögen - das alles gilt nur solange man keinen bekommt. Also sagen wir heute: Das ist eine feine Sache, so eine Auszeichnung zu erhalten, insbesondere wenn es noch ein so feiner, weil nationaler, und ein so lukrativer, weil mit
DM 50.000 dotierter Preis ist. Das lässt schon weihnachtliche Stimmung aufkommen gegen Jahresende, wenn die Kassen geplündert sind, dann einen solchen Scheck zu erhalten. Das begründet zugleich die Gefahr, es möchte sich daraus eine neue Sammelleidenschaft sich entwickeln.

Die gute Ordnung gilt auch in Ostfriesland, dass darauf mit einem Dank zu antworten ist. Den will ich nunmehr gerne auch im Namen meiner Kollegin Corinna Roeder und des ganzen Teams und des Kuratoriums hier aussprechen. Unser Dank gilt natürlich zuerst denen, die diesen Preis ins Leben gesetzt haben - nämlich dem Deutschen Bibliothekenverband - und denen, die ihn so attraktiv dotiert haben - nämlich der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Insbesondere sei er denen zugerufen, die mit Treffsicherheit und Entscheidungsfreude den Richtigen Bewerber für diesen Preis auserkoren haben. Das schafft Sympathien. Und wir nehmen gerne an, dass so ein Preis nicht allein dem damit Ausgezeichneten zur Ehre gereicht, vielmehr zugleich auch denen, die ihn vergeben.

Ist der Dank mehr als allein die brave Verbeugung des Beschenkten, dann fragt man nach den Voraussetzungen, nach den Bedingungen der Möglichkeit, dass in der deutschen Bibliothekslandschaft in wenigen Jahren etwas Neues hat entstehen können, dass recht schnell allgemeine Beachtung und nun diese öffentliche Anerkennung gefunden hat.

Zuerst ist in diesem Sinne der außergewöhnliche Umstand zu nennen, dass die reformierte Kirche als Mutter-Institution uns in zwei Schritten rechtlich und finanziell völlig verselbständigt hat. So sind wir völlig frei in der Gestaltung von Arbeitsschwerpunkten, der Entwicklung mittelfristiger Strategien, frei, dieses zu entscheiden und zu tun und jenes eben nicht zu tun. Alles und allein auf der Grundlage des gesetzten Stiftungszwecks und der vom Kuratorium zu

bestätigenden Rahmendaten. Wer sich die bescheidene Größe und die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten unserer kleinen Kirche vor Augen führt, wird erst den Mut und die Bedeutung dieser Entscheidungen der kirchlichen Organe angemessen würdigen können. Ich sehe nicht, dass die öffentliche Hand - auf welcher Ebene auch immer - sich zu so weitreichenden Verselbständigungen ihrer wissenschaftlichen oder kulturellen Einrichtungen entschließen kann. In aller Regel werden selbst bei der heute in Mode gekommenen Stiftungslösung finanzielle Abhängigkeiten als Steuerungsmöglichkeit politisch festgeschrieben. Sie wissen, dass dieses in der stiftungspolitischen Debatte intensiv und kontrovers diskutiert wird und auch der jüngst vorgelegte Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Reform des Stiftungsrecht eher die Halbheiten und Defizite dokumentiert als wegweisende Lösungen aufzuzeigen. Bitte akzeptieren Sie vor diesem Hintergrund, dass
der erste Dank in diesem Sinne nach innen geht, nämlich an die Evangelisch-reformierte Kirche selber. Und an den Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Dr. Rauhaus, für die beste, völlig ungetrübte und vertrauensvolle Zusammenarbeit in all den Jahren.

Der nächste Dank geht an die Politik und ihre Repräsentanten. Stadt Emden und das Land Niedersachsen haben von Anfang an dieses Unternehmen in vielerlei Hinsicht politisch und finanziell gefördert. Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat mit der Förderung unserer Bibliotheks-EDV und der Digitalisierung und nun auch des Forschungsprogramms selber kräftig beigetragen, die Voraussetzungen für diese Auszeichnung zu schaffen.
Seit 1992 arbeiten wir mit dem niederländischen System PICA, was uns bald darauf die Mitgliedschaft im Beirat des Ministeriums für wissenschaftliche Bibliotheken eingebracht hat. Herrn Breyer vom ehemaligen Rechenzentrum der Fachhochschule Emden, haben Sie bereits hier vorne sehen können. Ihm und dem Leiter der jetzigen Abteilung ITK-Systeme, Herrn Hinrichs, danke ich ebenfalls sehr. Seit Jahren arbeiten wir auf das Beste zusammen. Wir kooperieren erfolgreich in der Bibliotheks-EDV, im Digitalisierungsprojekt Hardenberg und dem Informationssystem "reformed-online". Die Stadt Emden hat nicht allein ihren Beitrag zur Erstellung dieser Bibliothek geleistet. Es erfüllt mich immer wieder mit Dankbarkeit zu wissen, dass der Oberbürgermeister dieser Stadt bereit ist zu helfen wo er kann und er diesem Ort und auch uns persönlich so freundschaftlich verbunden ist und wir mit ihm. Und unter Politik will ich gerne hier auch die Arbeitsverwaltung nennen, die unter ihrem Direktor Sivers uns ebenfalls sehr gefördert hat.

Ich danke der Stiftung Niedersachsen und insbesondere ihrem Generalsekretär, Herrn Dr. von König. Die Stiftung Niedersachsen hat nicht allein mit ihren zuerst bewilligten 5,2 Mio. DM Fördermitteln für die Baumaßnahme die anderen Geldgeber ins Boot gezogen. Sie fördert heute unser Forschungsprogramm zur Kulturgeschichte des reformierten Protestantismus. Nicht weniger wichtig und von mir mit besonderem Dank beantwortet werden soll, dass Herr von König als interessierter und kritischer Gesprächspartner unseren Weg intensiv begleitet, mit kundigem Rat gefördert, Türen geöffnet und Verbindungen hergestellt hat.
Unter Stiftungen fällt auch die Klosterkammer Hannover, deren Präsidentin Jansen uns ebenfalls nach Kräften unterstützt. Dankbar erwähne ich hier die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die uns mehr als allein Geld eingebracht hat.

Unter den befreundeten Bibliothek sei neben der Landschaftsbibliothek Aurich insbesondere die niederländische Universitätsbibliothek Groningen unter ihrem Direktor Dr. Alex Klugkist genannt, mit der wir seit vielen Jahren sehr erfolgreich und in sehr freundschaftlicher Weise kooperieren. Herr Prof. Hermans kennt die Schätze unserer Sammlung wohl am längsten. Schon vor meiner Zeit, also vor 1986 war er hier regelmäßig zu Gast.

Viele andere haben zum Gelingen dieses Unternehmens beigetragen und sind noch heute mit großen Engagement dabei. Ich nenne die Gesellschaft der Freunde der Johannes a Lasco Bibliothek. Erst drei Jahre bestehend, ein kleiner Kreis von 60 Mitgliedern, übrigens von Hamburg bis München, mit einem tatkräftigen Vorstand um den Vorsitzenden Dr. Feenders. Schon über 100.000,- DM hat allein dieser Kreis aufgebracht, dazu etliche sehr beachtliche Veranstaltungen durchgeführt. Die Deutschen Bibliophilen werden im kommenden Jahr zu ihrer Jahrestagung nach Emden pilgern. Ich danke herzlich den vielen Ehrenamtlichen, die in großer Treue mit viel Einsatz Führungen übernehmen, auch an Wochenenden, oder die im technischen und phototechnischen Bereich uns Angebote und Aktivitäten ermöglichen, die wir allein nicht leisten könnten, bis hin zum schön illustrierten Führer, den wir diesem ehreamtlichen Engagement verdanken. Nun sind diese nicht organisiert, haben keine Vorsitzenden und bleiben daher an dieser Stelle etwas namenlos.
Ich danke herzlich auch den Kolleginnen und Kollegen, heute unter bewährter Leitung von Corinna Roeder, die in den letzten Jahren so manchen Ritt mitgemacht haben, und Dinge akzeptieren mussten, die in anderen Bibliothek so eben nicht gemacht werden. Das ist unser Preis, für den wir gemeinsam gekämpft und geschuftet haben. Das Preisgeld soll natürlich der Stärkung der heute für die Bibliothek zentralen Internetangebote und Präsenz in den neuen Medien eingesetzt werden.. Geplant sind dabei eine neu Homepage in Deutsch und englisch sowie ein 3D-graphische Rekonstruktion der alten Großen Kirche auf CD-Rom.

Ein posthumer Dank ergeht an dieser Stelle gerne an den Architekten diese Hauses. Posthum, weil Prof. Jochen Bunse vor der Eröffnung dieser Bibliothek verstorben ist. Um so mehr freut es uns, Frau Bunse heute unter uns begrüßen zu können, die als Architektin ja ebenfalls an diesem Bau beteiligt war. Immer wieder hören wir, wie sehr die Architektur dieses Gebäudes sich den Menschen selber vermittelt.
Für den heutigen Preis und für alles, was wir erreicht haben, war dieses gelungene Bauwerk die Voraussetzung.


Eine kurze Rückblende und ein offenes Eingeständnis sei gestattet. Wie kommt man zu einer solchen Konzeption, die sich heute als erfolgreich und innovativ bewährt hat. Das war keine Schreibtischarbeit. Nach der Eröffnung im Nov. 1995 hatten wir allein 4,0 Stellen, nur eine halbe Stelle davon war als Dipl. Bibliothekarin fachlich nach Standard ausgebildet. Wir standen also mit dem Rücken an der Wand und es war reine Flucht nach vorne. Wir haben Öffentlichkeit nicht nur zugelassen und vielleicht gesucht, Nein: wir haben Öffentlichkeit hergestellt, mitunter um jeden Preis. Damals fiel der kollegiale Blick aus bibliothekarischen Kreisen mitunter sehr kritisch auf dieses bunte Treiben und manch einer tat sich schwer, überhaupt dafür noch die Gattungsbezeichnung Bibliothek, zumal eine wissenschaftliche, zuzulassen. Durch diese Öffentlichkeit wuchsen dann die politischen und dann auch die finanziellen Möglichkeiten, die verschiedenen Aktivitäten und letztlich die deskriptiv hinterherlaufende Beschreibung als Konzeption.
So gilt mein letzter Dank dieser allgemeinen Öffentlichkeit, die sich für diese Einrichtung hat gewinnen lassen. Den Menschen dieser Stadt Emden und der weiten Region Ostfriesland, die heute diesen Ort immer wieder aufsuchen, und für die wir einzulösen trachten, was als Vorgabe und Zweckbestimmung in einem alten Widmungseintrag schlicht heißt: ad usum publicum, zum öffentlichen Gebrauch!

Der nationale Preis, mit dem Sie uns heute ausgezeichnet haben, markiert und prämiert auf das beste den Abschluß der ersten Aufbauphase. Nun geht es um Verstetigung und um die weitere Internationalisierung in Forschung und digitalen Dienstleistungsangeboten. Das Rennen geht also weiter. Der heutige Tag plaziert uns für die nächste Runde in der pool-position und verschafft uns einen guten Start. Wir werden die damit verbundenen Möglichkeiten zu nutzen wissen. Vielen Dank!

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    · 09.12.2001 / fas ·    

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