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Festakt anläßlich der Verleihung des Titels
"Bibliothek des Jahres 2001" am 5.12.2001
Grußwort von Dr. Albrecht Graf von Kalnein, ZEIT-Stiftung
Ebelin und Gerd Bucerius
Wer die Bücher liebt, ist nie betrübt
Ging ein Knecht zu seinem Herrn
Der das Lesen hatte gern,
In die Bücherei hinein,
Wo der las tagaus, tagein;
Als er ihn alleine fand,
Über Büchern unverwandt,
Sprach er zu ihm: "Ei der Daus,
Wie hältst du's allein hier aus?"
Sprach der Herr: "Bin nie allein,
Leb' im fröhlichsten Verein,
Ich bin erst allein geblieben,
Seit dich's hier hereingetrieben!"
Wer bei seinen Büchern sitzt,
Ist vor Einsamkeit geschützt;
Hockt mit Leuten man gemeinsam,
Wird man erst so richtig einsam.
Hohe Festversammlung,
liebe Freunde des Buches:
"Wer die Bücher liebt, ist nie betrübt" - dieses
launige Gedicht, das doch zugleich Grundansichten des Humanismus
verdeutlicht, stammt von einem Landsmann und fast Zeitgenossen a
Lascos, von Biernat von Lublin um 1522. Es entstand also während
der Reformation (die ohne den Kult des Buches und des Flugblattes
nicht denkbar wäre), recht kurz vor der Gründung der Bibliothek,
die wir heute feiern.
Mit dieser Lesefrucht eines friedfertigen Humanisten erbitte ich
friedfertig huldreiche Aufnahme in dieser Stadt - keine Selbstverständlichkeit
für einen Gesandten von Alster und Elbe, hat Hamburg doch
im 15. Jahrhundert in seinem, sicher nur ehrenwerten und stets
gemeinnützigen, Kampf gegen den finsteren Schurken und Dunkelmann
Klaus Störtebeker vorsorglich auch Emden jahrelang besetzt
und drangsaliert. Die ZEIT-Stiftung aus Hamburg freut sich, nicht
besetzen, sondern gratulieren zu können: Der Johannes a Lasco-Bibliothek,
der Leiterin, Frau Corinna Roeder und dem Stiftungsvorstand, Herrn
Walter Schulz, gratuliere ich aufrichtig zur Auszeichnung der Bibliothek
des Jahres 2001!
II. Die Gründe für diese mancherorts zunächst überraschende
Wahl wird zu unserer Freude StS Dr. Uwe Reinhardt näher erläutern.
Als Vertreter einer norddeutschen Stiftung möchte ich meine
besondere Freude über diese Kür nicht verhehlen, zumal
nicht hier und heute; es sei jedoch verraten, dass ich mich in
der, wunderbar zusammenarbeitenden, Jury der Bibliothek des Jahres,
gerade darum bewusst zurückhielt - die Wahl fiel gleichwohl
einstimmig auf Emden.
III. Im Vorfeld des heutigen Tages war manches an Abstimmung erforderlich,
bis wir den geeigneten Termin fanden. "Es kann ja ruhig auch
im neuen Jahr sein" hieß es schließlich etwas salopp.
Der wunderbare Raum hier, die Große Kirche lässt mich
trotz des Dezember 2001-Festtermins sagen "So sei es":
Wir feiern hier kurz nach dem 1. Advent, dem Beginn des Kirchenjahres
- der Bibliothek und ihrer kirchlichen Stifung (bR) herzlich ein
"Gutes Neues Jahr!". Das dürfte mit einem so manierlichen
Preis im Nikolaussack auch gelingen.
Dies ist willkommene Gelegenheit, im übrigen darauf hinzuweisen,
dass auch für das Jahr 2002 wiederum Vorschläge für
die "Bibliothek des Jahres" erbeten und willkommen sind
- Bis 31. März 2002 hat der DBV die Frist für Vorschläge
gesetzt - sicher mit Bedacht, denn er trifft damit genau den Ostersonntag
!. Wir alle in der Jury blicken insofern schon heute auch auf Ostern
nächsten Jahres und bunte Ostereier in unserem Postkorb.
IV. Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius wurde 1971 von Gerd
Bucerius, dem Juristen, Politiker und Verleger, gegründet,
damals noch mit einer Schutzmantelfunktion für seine ZEIT.
In ihren Satzungsbereichen Wissenschaft, Bildung, Kunst und Kultur
engagiert sie sich besonders für Hamburg und Norddeutschland
- unsere Vorhaben im Norden reichen von Stiftungsprofessuren in
Jura in Greifswald und Rostock über das Orgelrestaurierungsprogramm
in Mecklenburg-Vorpommern, den Einsatz für das Schleswig-Holsteinische
Landesmuseum Gottorf und die Hamburger Hauptschulen bis nach Emden,
dem wir uns nun durch die Johannes a Lasco Bibliothek sowie die
Kunstsammlung von Frau Nannen verbunden fühlen.
Die Buch- und Bibliotheksförderung hat für uns in den
letzten Jahren an Profil gewonnen:
- Im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburgs wurde die Gerd
Bucerius-Bibliothek zu Gunsten der reichen Fachbibliothek des Hauses
errichtet; soeben hat das Kuratorium eine weitere Förderung
zu deren EDV-basierter Erschließung bewilligt.
- An der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar fördern
wir die Restaurierung und Erfassung der kartographischen Bestände,
die seit Herzog Karl August II. vor sich hin schlummerten.
- Für Hamburg konnten wir zusammen mit der Kulturstiftung der
Länder, der Reemtsma-Stiftung und dem Senat der Stadt zwei
der fünf Prachtbände des "Moller-Florilegium"
von Hans Simon Holtzbecker für den damaligen Bürgermeister
Barthold Moller um 1670 ersteigern (nun Staats- und Universitätsbibliothek
Carl von Ossietzky).
V. Seit einiger Zeit beschäftigt sich die ZEIT-Stiftung auch
als Herausgeber - 1) vor kurzem erschien die Biografie von Gerd
Bucerius aus der Feder von Lord Dahrendorf; 2) wir warten gespannt
auf die ersten Bände der Doktoranden unseres Programms Deutschland
und seine östlichen Nachbarn - Beiträge zur europäischen
Geschichte. 3) Vor allem aber gibt die Stiftung die Hamburger Köpfe
heraus, eine Reihe gut lesbarer, fundierter Biografien über
besonders bemerkenswerte Bürger der Hansestadt.
Ich freue mich, zugleich im Namen des Vorstandes der Stiftung der
Leiterin der Johannes a Lasco - Bibliothek, Frau Roeder, und allen
Lesern dieser "Bibliothek des Jahres" die bisher erschienenen
Bände der Hamburger Köpfe übergeben zu können.
Sie mögen zugleich alle Bibliothekare über diese Preisfeier
hinwegtrösten. Der wahre Freund der Bücher hält ja,
wie bei Biernat von Lublin zu erfahren, nicht viel von Eindringlingen
in seinen Büchertempel. "bin nie allein,/ leb´
im fröhlichsten Verein... Wer bei seinen Büchern sitzt,
wird vor Einsamkeit geschützt".
Vielen Dank.
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